Mittwoch, 23. Januar 2013

2012 als Testzeitraum


Strategien im Detail

Die Aktien, die den Kriterien für die einzelnen Strategien entsprechen, wurden unter den 160 Werten von DAX, MDAX, TecDax und SDAX zum Stichtag 30.12.2011 ausgewählt (1).
DAX-Dogs
Aktie
WPK
Dividenden-
rendite in %
Dt. Telekom
555750
7,9
RWE St
703712
7,4
Münchener Rück
843002
6,6
Allianz
840400
6,1
e.on
ENAG99
6,0
Daimler
710000
5,9
Dt. Post
555200
5,5
Dt. Börse
A1KRND
5,3
Metro St
725750
4,8
Dt. Lufthansa
823212
4,4


"Fliegende Hunde"-Depot
Aktie
WPK
Dividenden-
rendite in %
Kurs am
30.12.11
Dt. Telekom
555750
7,9
 8,87 €
Dt. Lufthansa
823212
4,4
 9,19 €
Dt. Post
555200
5,5
11,88 €
e.on
ENAG99
6,0
16,67 €
RWE St
703712
7,4
27,15 €
  
Momentum-Depot
Aktie
WPK
Kursentwick-
lung 2011 in %
zooplus
511170
61,6
Schuler
A0V9A2
53,3
Dürr
556520
41,9
SGL Carbon
723530
41,4
EADS
938914
33,0
Merck
659990
27,6
Gerry Weber
330410
26,4
Freenet
A0Z2ZZ
26,2
Schaltbau
717030
22,9
Südzucker
729700
22,7
Value-Depot
Aktie
WPK
Value-Punkte (2)
C.A.T.
A0JKWU
556
SKW
SKWM02
525
centrotherm
A0JMMN
513
Kontron
605395
494
Freenet
A0Z2ZZ
481
Wacker Chemie
WCH888
477
Wacker Neuson
WACK01
472
Bechtle
515870
470
Rhön-Klinikum
704230
385
Aurubis
676650
380

Value-Momentum-Depot (3)
Amadeus (509310), Aurubis (676650), Bechtle (515870), Bertrandt (523280), Drillisch (554550), Dt. Post (555200), Gerry Weber (330410), Gesco (A1K020), Hannover Rück (840221) und Indus (620010).

Zu den Ergebnissen

2012 im Rückblick


Die Strategien im exemplarischen Test


Nach einem Jahr lässt sich eine erste Zwischenbilanz ziehen, auch wenn sich damit nichts über den weiteren Erfolg oder Misserfolg der einzelnen Strategien sagen lässt. Es ist bei Kursentwicklungen wie auch bei anderen Prognosen generell so, dass man aus der Vergangenheit nicht auf die Zukunft schließen kann. Und das ist nicht nur eine Formel, mit der Autoren sich vor möglichen Forderungen von Anlegern schützen wollen, die Testaussagen über die Vergangenheit falsch verstanden haben und die Lektüre für mögliche eigene Schäden verantwortlich machen wollen. Es handelt sich vielmehr um einen ganz unvermeidbaren Tatbestand, da es keine umfassende Theorie über die Kursbestimmung gibt, ja, man in der Wissenschaft sogar im Gegenteil von rein zufälligen Kursentwicklungen ausgeht.

Dennoch haben sich 2012 die Kurse sehr unterschiedlich entwickelt. Das gilt allerdings nicht nur für die betrachteten fünf Strategien, sondern auch für die breiten Indizes der Deutschen Börse. So konnte er MDax 36,1 % gewinnen, während der SDax nur um 20,5 % stieg. Daraus kann man allerdings nicht schließen, dass vor allem marktbreite Aktien gut gelaufen sind, denn der Dax lag mit meinem Gewinn von 31,9 % zwischen den Indexwerten für die mittleren und kleinen Werten. Vergleichsweise ähnlich ungünstig wie der SDax schnitt mit 22,8 % der TecDax ab, was vor allem auf einen Absturz der Solarwerte zurückzuführen ist. Derartige Abweichungen verschiedener Branchen haben vermutlich auch zu den unterschiedlichen Kursentwicklungen der anderen Indizes geführt.

2012 hatte daher ein Anleger besonderes Glück, wenn er sich ein Portfolio aus MDax-Werten aufgebaut hatte, während der Griff zu SDax-Werten mit einem nur fast halb so großen Kursgewinn belohnt wurde.

Vor diesem komplexen Bild der Kursentwicklungen muss man die Ergebnisse der Strategien beurteilen, auch wenn es nicht leicht fällt, dafür den geeigneten Maßstab zu wählen, da die Aktien aller vier Indizes als Grundgesamtheit für die Auswahl benutzt wurden.

Um die interessierende Frage zu beantworten, ob sich durch einzelne Strategien Überrenditen gegenüber einer zufälligen Auswahl erreichen lassen, soll dennoch nicht auf den Mittelwert aus den vier Indizes zurückgegriffen werden, der bei 27,8% lag.

Auch ohne diese Durchschnittsbildung hätte das Ausnutzen von Anomalien im Jahr 2012 eine messbare Überrendite gebracht, die deutlich über dem besten Index, also dem MDax, liegt. Das gilt für die als Synthese vorgestellte ValueMomentum-Strategie, deren Gesamtrendite mit 42,7% immerhin 6,6 Prozentpunkte über dem MDax lag.

Wenig erfreulich waren hingegen die Ergebnisse für die Dogs- und die Flying-Dogs-Strategie. Hier scheinen sich die US-amerikanischen Ergebnisse für den Dow nicht zu wiederholen, was vermutlich an der unterschiedlichen Konstruktion der Indizes Dow und Dax liegt. Damit ist die Auswahl der Aktien gemeint, die in den USA nicht nach der Marktbreite der Gesellschaften, sondern nach einer Repräsentation der wichtigsten Branchen der US-Wirtschaft durch ein Top-Unternehmen erfolgt.

Daneben gibt es jedoch noch einen weiteren Unterschied, der bei der Ermittlung der Vergleichsrenditen zu berücksichtigen ist. So handelt es sich bei den deutschen Indizes anders als beim Dow um Performance-Indizes, die jeweils die Dividendenausschüttungen einrechnen.
 
Daher musste für die Testdepots noch eine Korrektur der reinen Kursrendite durch die Dividendenrendite erfolgen.

Rendite der Strategien im Jahr 2012 (in %)

Strategie
31.1.2012
 29.2.20121
29.6.2012
28.12.2012
Dogs
8,9
15,6        
4,9
13,6
Flying Dogs
5,4
11,1       
6,4
18,4
Momentum
3,5
9,8       
17,4
34,4
Value
11,7
21,6        
-3,4
3,9
ValueMomentum
8,5
14,6        
14,5
37,3














Wie die Übersicht zeigt, sind die Dividendenausschüttungen keineswegs nebensächlich bei der Renditeberechnung; denn bei der Dogs-Strategie trug die Dividende 30% zur Gesamtrendite bei und sogar bei der Momentum-Strategie, bei deren Definition die Dividende gar keine Rolle spielt, betrug sie immerhin noch knapp 10 %.

Der Januareffekt

Die fünf Strategien haben sich während des gesamten Jahres 2012, wie die folgende Tabelle zeigt,  recht unterschiedlich entwickelt. So fällt für die ersten Monate der besonders gute Verlauf der Value-Strategie auf, die offensichtlich vom typischen Januareffekt profitieren konnte, der sich bei zurückgebliebenen Aktien in der Regel positiv auswirkt. Die Momentum-Strategie erreichte hingegen erst im Laufe des Jahres ihr insgesamt gutes Ergebnis. Hier musste man also zur Zeit des Januareffektes nicht unbedingt investiert sein.

Unabhängig von diesen typischen saisonalen Mustern war der Absturz des Value-Depots in der zweiten Jahreshälfte, der aus den Kursverlusten der Solarwerte resultierte, der im Fall des Testwertes Centrotherm sogar bis zur Insolvenz ging.

Dieser Einbruch bei einem virtuellen Testdepot kann als deutliche Warnung verstanden werden, wenn dieser Wirtschafts-GAU sogar Gesellschaften treffen kann, deren Value-Indikatoren nur ein halbes Jahr vorher noch sehr gute Werte besaßen. Hier zeigte sich ganz deutlich, dass Aktien Riskiopapiere sind und man auch bei einem noch so sorgfältigen Stockpickung niemals vergessen darf, dass man Aktien auch verkaufen kann. Und das ist, wenn ein Absturz droht, nicht nur eine Option, sondern ein Gebot.

Zwischenstände für die Strategien im Jahre 2012 (ohne Dividenden, in %)

Strategie
  31.1.2012
 29.2.2012
29.6.2012 28.12.2012
Dogs
8,9
15,6        
4,9
13,6
Flying Dogs
5,4
11,1       
6,4
18,4
Momentum
3,5
9,8       
17,4
34,4
Value
11,7
21,6        
-3,4
3,9
ValueMomentum
8,5
14,6        
14,5
37,3

Für Leser, denen eine potenzielle Überrendite von über 6-Prozentpunkten Lust auf mehr gemacht hat, kann sich im Folgenden über eine Aktienauswahl für 2013 informieren.

2013 als Testzeitraum


Aktuelle Werte, neues Glück


Nach dem ersten Testlauf für 2012 sollen vergleichbare Strategiedepots für das neue Jahr eingesetzt werden, allerdings nach den aktuellen Daten mit den Aktien, die Ende Dezember 2012 oder genauer am letzten Börsentag des Jahres, also am 28.12.2012, den Kriterien der Anlagestrategien am besten entsprochen haben.

Dabei wurden die Auswahlkriterien nicht verändert, sondern nur aufgrund einer besseren Datenlagen durch drei zusätzliche Varianten erweitert.

So gibt es jetzt ein Momentumdepot, das auf einem Formationszeitraum von sechs Monaten beruht, da für diese kürzere Periode die Gefahr geringer ist, dass der erwartete Anpassungsprozess bereits im folgenden Jahr deutlich an Kraft verloren hat, wie die Untersuchungsergebnisse in den empirischen Studien belegen.

Auf diesen Vorteil einer kürzeren Formationszeit für den Momentumeffekt wird daher auch im ValueMomentum-Depot zurückgegriffen.

Die Value-Strategie erfährt ebenfalls eine empirische Erweiterung, So wurden die für 2012 herangezogenen Indikatoren noch durch zwei weitere ergänzt, und zwar durch das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) und das Kurs-Cashflow-Verhältnis (KCV). Da vor allem das KUV sowohl von der Eigenkapitalquote als auch den Profitabilitätsindikatoren (KGV, KCV, Dividendenrendite, KBV) unabhängig ist, kommen auf diese Weise verstärkt Aktien von Unternehmen auf hohe Rangplätze, die bei hohen Umsätzen kaum einen Gewinn oder Cashflow erzielen und daher nur niedrige Kurse besitzen. Ende 2012 galt das etwa für verlustträchtige Händler wie die Baumarktkette Praktiker oder die Fluglinie Air Berlin. Eine Value-Strategie, die mit diesem Kriterium arbeitet, setzt also ähnlich wie die Dogs-Strategie auf einen Turnraround dieser Werte und nicht nur auf eine Korrektur einer Unterbewertung.

Da sich diese Akzentuierung nicht vollständig mit dem oben beschriebenen Verständnis einer Value-Anomalie deckt, wird diese Definition durch sechs Indikatoren nicht als überlegene Definition, sondern nur als ergänzende Variante verstanden.

Daher werden zwei ValueMomentum-Depots betrachtet, die sich auf einem Testzeitraum von 6 Monate beziehen, jedoch die Value-Dimension entweder wie für 2012 durch vier Indikatoren oder ergänzend durch sechs Indikatoren definieren.

Durch diese Ergänzung der bisherigen Indikatoren um die drei Merkmale Kursentwicklung der letzten 6 Monate, KUV und KCV erweitet sich die Zahl der Testdepots von fünf auf acht.

Für 2013 werden sie durch folgende Aktien implementiert (1):

Dogs-Strategie (Definition wie für 2012)

Allianz (840400),
Daimler (710000),
Dt. Börse (581005),
Dt. Post (555200),
Dt. Telekom (555750),
e.on (ENAG99),
K+S (KSAG88),
Münchener Rück (843002)
RWE St (703712) und
Siemens (723610)
            
Flying-Dogs-Startegie (Definition wie für 2012)
             
Dt. Post (555200),
Dt. Telekom (555750),
e.on (ENAG99),
K+S (KSAG88) und
RWE St (703712)
            
            
Momentum-12-Stratgie (Definition wie für 2012)
             
Continental (543900),
Dürr (556520),
GAGFAH  (A0LBDT),
KUKA (620440),
Lanxess (547040),
LPKF (645000),
Patrizia (PAT1AG),
Sartorius Vz (716563),
Sky (SKYD00) und
TUI (TUAG00).
            
Momentum-6-Strategie (Definiert nach der Kursentwicklung zwischen dem 1.7. und dem 28.12.2012)  
      
Aurubis (676650),
Drillisch (554550),
Dt. Lufthansa (823212),
ElringKlinger (785602),
Jenoptik (622910),
KUKA (620440),
MorphoSys (663200),
Patrizia (PAT1AG),
Sky (SKYD00) und
TUI (TUAG00)
            
Value-4-Strategie (Definition wie für 2012)
             
alstria office (A0LD2U),
Dt. Beteiligungs-AG (550810),
e.on (ENAG99),
euromicron (A1K030),
freenet (A0Z2ZZ),
Leoni (540888),
Prime Office (PRME01),
Rheinmetall (703000),
SKW (SKWM02) und
Wacker Neuson (WACK01)

Value-6-Strategie (Definiert durch die Value-Indikatoren wie für 2012 sowie zusätzlich KBV und KCV)          

e.on (ENAG99),
Grammer (589540),
Indus (620010),
Leoni (540888),
Metro St (725750),
QSC (513700)
Rheinmetall (703000),
RWE St (703712),
SKW (SKWM02) und
SMA (A0DJ6J)



ValueMomentum-6M4V-Strategie (Definition wie für 2012, aber mit einem Testzeitraum von 6 Monaten)
             
Amadeus (509310),
Aurubis (676650),
BASF (BASF11),
Bertrandt (523280),
Continental (543900),
Daimler (710000),
Drillisch (554550),
Jenoptik (622910),
LPKF (645000) und
Volkswagen Vz (766400)
            
ValueMomentum-6M6V-Strategie (Definiert durch einen Testzeitraum von 6 Monaten und 6 Value-Indikatoren)        

Aurubis (676650),
BASF (BASF11),
BMW St (519000),
Continental (543900),
Drillisch (554550),
Highlight (920299),
Jenoptik (622910),
Lanxess (547040),
ProSiebenSat.1  (777117) und
Volkswagen Vz (66400)


Kursentwicklung (2) der Strategien 2013 in %



Strategie
Testzeitraum 1.1.- 31.12. 2013
Dogs
24,5
Flying Dog
15,8
Momentum_6 (6 Monate Formationsperiode)
46,0
Momentum_12 (1 Jahr Formationsperiode)
  41,3
Value (4 Indikatoren)
19,6
Value (6 Indikatoren)
48,9
ValueMomentum (4 Value-Indikatoren)
44,0
ValueMomentum (6 Value-Indikatoren)
36,8

2) Die Werte wurden um die Dividendenausschüttungen revidiert, deren Renditen zwischen 1,0 % (Momentum 12) und 6,1 % (Flying Dogs) betrugen.

Damit zeichnen sich eine ähnliche Tendenzen wie im Vorjahr ab: die Dogs-Aktien rentieren in Deutschland schlecht und im Januar entwickeln sich Value-Papiere leicht besser als Momentum-Werte. Man kann also auf die weitere Entwicklung gespannt sein. 

Das gilt vor allem für die Frage, ob die Strategien ihre Wertentwicklungen der Jahre 2012 und 2013 auch 2014 fortsetzen werden. Dabei muss man allerdings immer daran denken, dass sich aus der Vergangenheit nicht auf die Zukunft schließen lässt.

      
1) Bei den Angaben handelt es sich um keine Empfehlungen für den Kauf oder Verkauf von Aktien. Die Auswahl beruht auf Daten der Vergangenheit, die von anderen Autoren analysiert wurden und sich nicht zwangsläufig in die Zukunft fortschreiben lassen.

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